IFK-Forum Nord: ein bunter Blumenstrauß Berufspolitik

Das Forum Nord in Hamburg bildete am ersten Freitag im Juni den Auftakt für die Reihe der jährlichen IFK-Regionalforen. Rund 65 Physiotherapeuten aus der Hansestadt und dem Norden Deutschlands hatten sich aufgemacht, um sich über die neusten Entwicklungen der Verbandspolitik zu informieren.

Warten auf das Berufsgesetz

Zum Physiotherapieberufsreformgesetz gab IFK-Vorstandsvorsitzende Ute Repschläger zunächst ein ernüchterndes Bekenntnis: Im derzeit kursierenden Vorabentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ist keine Vollakademisierung der Physiotherapieausbildung vorgesehen. „Wir wissen seit einiger Zeit, dass es keine Vollakademisierung geben wird, aber wir wollen weiter mitgestalten“, so Repschläger.

Aus dem Entwurf des BMG seien aber auch einige positive Aspekte herauszulesen, wie etwa die Beibehaltung der Durchstiegsmöglichkeiten bei der Ausbildung, die Integration der Manuellen Lymphdrainage und der KG-Gerät in die schulische Ausbildung oder die Ankündigung für Regelungen zur eigenverantwortlichen Durchführung heilkundlicher Tätigkeiten, die perspektivisch die fachliche Grundlage für einen Direktzugang bilden könnten. Seit dem Vorabentwurf, der seit vergangenem November kursiert, wartet die Branche gespannt auf einen offiziellen Referentenentwurf für das Gesetz. Doch dieser lässt auf sich warten. Auch bei den Modellprojekten zum Direktzugang, die der Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung ankündigte, ist der Zeitplan weiter unklar. „Wir müssen abwarten und werden natürlich weiter Gespräche führen“, schloss Repschläger.

Zwei Klagen, ein Urteil – und nun?

Den nächsten Punkt auf der Tagesordnung nahm sich IFK-Geschäftsführer Dr. Björn Pfadenhauer vor: 2021 hatte der IFK gemeinsam mit anderen Physiotherapieverbänden gegen die Schiedssprüche der Schiedsstelle Heilmittel geklagt. Danach passierte lange nichts, im April wurde nun das Urteil des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg bekanntgegeben. Die Klagen der Verbände waren erfolgreich – allerdings nur teilweise. „Wir müssen nun überlegen, wie wir weiter vorgehen, ob wir in Revision gehen“, sagte Pfadenhauer auf dem Forum Nord. Die Entscheidung über die Revision wurde von der Vertreterversammlung des IFK am 10. Juni 2024 getroffen. Mehr dazu lesen Sie hier.  

Blankoverordnung – auf der Zielgeraden

„Wir haben uns in den Big Points geeinigt“, verkündete Repschläger. Aber es gäbe noch offene Punkte: „Da wir uns noch in den Verhandlungen befinden, kann ich Ihnen heute keine Details verraten.“ Die Blankoverordnung ist eine neue Versorgungsform, bei der Physiotherapeuten zukünftig in einem festgelegten Rahmen selbst entscheiden könnten, wie und wie lange sie behandeln.

Wenn die Verhandlungen mit den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) zeitnah abgeschlossen werden, soll die Blankoverordnung schon bald möglich sein, aber: „Das hängt entscheidend davon ab, wie schnell wir uns in den noch offenen Punkten einigen“, so Repschläger. Fest steht aber schon, dass die neue Möglichkeit erst einmal viele Neuerungen mit sich bringt. Um seinen Mitgliedern hier bestmöglich unter die Arme zu greifen, arbeitet der IFK bereits an diversen Informationsmaterialen für Praxisinhaber.  

Ein berufspolitischer Themenstrauß

Repschläger und Pfadenhauer gaben beim Forum außerdem einen Überblick über die weiteren Entwicklungen in der Physiotherapiebranche, die den Verband in der letzten Zeit beschäftigt haben. „Es gibt Themen, die nehmen wir ständig mit, auch wenn wir nicht permanent darüber berichten“, so der IFK-Geschäftsführer. Dazu gehört zum Beispiel das große Anliegen Bürokratieabbau, aber auch der sich verschärfende Fachkräftemangel oder die angestrebte Mitarbeit im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Gesund durch Resilienz

Im Vorfeld des Forums hatten die Teilnehmer zusätzlich die Möglichkeit an der Fortbildung „Gesund durch Resilienz“ des gelernten Physiotherapeuten Prof. Dr. Christoph Egner, Dekan des Fachbereichs Gesundheit und Psychologie an der Diploma Hochschule, teilzunehmen. Egner sprach in seinem Vortrag über Strategien, wie mit einer optimierten Widerstandskraft physischen und psychischen Belastungen begegnet werden kann und wie dies sowohl dem Therapierenden, als auch dem Patienten hilft.

Weitere Impressionen vom Forum Nord 2024 finden Sie hier.

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