NRW sieht Chancen im Direktzugang zu Therapien – verweist aber auf Bund

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen bewertet den möglichen Direktzugang zu therapeutischen Leistungen grundsätzlich positiv, sieht die Zuständigkeit jedoch beim Bund. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage 7192 vom 9. Februar 2026 der Abgeordneten Silvia Gosewinkel, Christina Weng und Rodion Bakum der SPD-Fraktion hervor.

Demnach kann der Direktzugang perspektivisch zur weiteren Professionalisierung der Therapieberufe sowie zu einer stärker patientenorientierten und bedarfsgerechten Versorgung beitragen. Gerade im Bereich der Physiotherapie wird darin ein mögliches Potenzial zur Entlastung der ärztlichen Versorgung gesehen. Voraussetzung seien jedoch klare bundesgesetzliche Regelungen sowie die Sicherstellung hoher Qualitäts- und Qualifikationsstandards.

Konkrete Erkenntnisse zu möglichen Nachteilen durch die derzeit verpflichtende ärztliche Verordnung liegen der Landesregierung nicht vor. Gleichzeitig werden Fachkräftemangel und Versorgungsengpässe – insbesondere in ländlichen Regionen – als wichtige Faktoren für die Bewertung eines Direktzugangs hervorgehoben.

Nordrhein-Westfalen verweist zudem auf seine langjährige Erfahrung in der Akademisierung der Therapieberufe, insbesondere der Physiotherapie, und will diese Expertise in die weiteren Reformprozesse auf Bundesebene einbringen.

Mit Blick auf bestehende Versorgungsansätze wird auf die Blankoverordnung gemäß § 125a SGB V verwiesen. Erste Auswertungen im Rahmen des GKV-Heilmittel-Informations-Systems liegen bislang nur für die Ergotherapie vor, während entsprechende Daten für die Physiotherapie und andere Heilmittelerbringer noch ausstehen. Diese sollen eine wichtige Grundlage für die weitere Bewertung eines möglichen Direktzugangs in die Regelversorgung bilden.

Weitere Artikel

GKV neu denken: Vorsorge vor Versorgung

2026 | 05.06. Die gesetzliche Krankenversicherung befindet sich in einer angespannten finanziellen Lage. Innerhalb der Gesundheitsbranche liegen konkrete Ideen für eine nachhaltige Stabilisierung der GKV-Finanzen vor.

8. TherapieGipfel: Anmelden und live dabei sein in Berlin

2026 | 03.06. Unter dem Motto „Heilmittelpolitik aktuell“ lädt der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) Politik, Kostenträger und Berufsangehörige der Heilmittelbranche zum 8. TherapieGipfel nach Berlin ein. Am 11. November um 15 Uhr wird die Veranstaltung eröffnet. Im Historischen Hörsaal im Langenbeck-Virchow-Haus wird der SHV-Vorstand im Rahmen einer Podiumsdiskussion gemeinsam mit Gesundheitspolitikern und fachkundigen Experten über aktuelle berufspolitische Themen diskutieren.

SHV verdeutlicht politische Positionen im Gespräch mit MdB Yüksel

2026 | 02.06. Mit dem Kabinettsbeschluss zum Stabilisierungsgesetz wurde Ende April die parlamentarische Phase des Gesetzgebungsverfahrens eingeleitet. Doch der Kabinettsbeschluss ist noch kein fertiges Gesetz, sondern kann durch den Bundestag noch substanziell angepasst werden. In persönlichen Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern machen der SHV und seine Mitgliedsverbände derzeit die Position der Heilmittelerbringer und die Auswirkungen des Gesetzesvorhabens auf die Patientenversorgung deutlich.