IFK vor Ort: Deutliches Interesse an berufspolitischen Themen auf beim Regionalforum Ost
Fast schon als Klassentreffen konnte man das diesjährige IFK-Regionalforum Ost bezeichnen, denn die Anzahl bekannter Gesichter aus den Vorjahren war eindeutig hoch. Kein Wunder, denn bei den Regionalveranstaltungen des Verbands werden regelmäßig die aktuellen berufspolitischen Entwicklungen erläutert und für die Mitglieder eingeordnet. Zusätzlich gibt es Neuigkeiten aus dem Verband und eine fachliche Fortbildung.
Die aktuelle Ausgangslage ist alles andere als rosig: Erst in diesem Sommer hatte die Bunderegierung ein großes Sparpaket für die Gesundheitswirtschaft in Deutschland beschlossen, das auch Auswirkungen auf die Physiotherapie haben wird. Diese stellte IFK-Vorstandsvorsitzende Ute Repschläger in ihrem Vortrag dar. Besonders interessant für die Mitglieder ist, wie sich die Deckelung der Vergütungserhöhungen durch die Grundlohnsumme auswirken wird. Da diese erst im Laufe des Septembers eines jeden Jahres bekannt gegeben wird, konnte Repschläger jedoch keine konkreten Zahlen kommunizieren. „Wir wissen noch nicht, was die Grundlohnsummenbindung für uns konkret bedeutet, aber in der Vergangenheit war sie eher schlecht für uns“, erklärte sie.
Umfangreich stellte Repschläger zudem dar, wie sich der IFK im Vorfeld des Gesetzesbeschluss für die Branche eingesetzt hat. Bei Veranstaltungen, in Podiumsdiskussionen und bei zahlreichen persönlichen Gesprächen mit politischen Entscheidern wurde versucht, die Belange der Physiotherapie deutlich zu machen. Die Auswirkungen waren spürbar: Die ursprünglich geplante Abschaffung der Vergütungsposition für die Bedarfsdiagnostik konnte ebenso abgewendet werden wie ein einjähriges Preismoratorium für die Heilmittelerbringer. „Wenn Sie jemanden aus der Politik kennen – aus der Nachbarschaft, Ihrem Ort oder als Patient in Ihrer Praxis – dann sprechen Sie mit dem über die Probleme unserer Branche!“ forderte Repschläger die Teilnehmer auf, sich einzubringen. „Jedes Gespräch zählt!“
Nicht nur das GKV-Sparpaket war in den vergangenen Monaten auf der berufspolitischen Agenda des IFK. Auch Themen wie Primärversorgungskonzepte oder der Bürokratieabbau werden aktuell behandelt. Zu einem Spitzengespräch Bürokratieabbau war Repschläger in diesem Sommer in ihrer Position als stellvertretende Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV) beim Bundesgesundheitsministerium (BMG) geladen. Dort wurden kurzfristige Maßnahmen zum Abbau unnötiger Bürokratie gesammelt und erörtert. Die Heilmittelerbringer konnten einen Erfolg verbuchen, denn das anschließend veröffentlichte Maßnahmenpapier des BMG greift eine für die Heilmittelversorgung zentrale Forderung auf: Unter der Überschrift „Abschaffung Nullretaxation bei reinen Formfehlern im Heilmittelbereich“ wird ein klarer Rechtsrahmen angekündigt, der Rechnungskürzungen der Kassen bei rein formalen Fehlern ausschließt. „Das wäre für uns eine tolle Sache, wenn dies gesetzlich verankert würde“, freute sich Repschläger. „Die konkrete Liste der Formfehler müssten wir anschließend mit den Kassen verhandeln.“
Im Anschluss an den berufspolitischen Vortrag informierte IFK-Geschäftsführer Dr. Björn Pfadenhauer gemeinsam mit Julia Pichura (opta data) über die Telematikinfrastruktur (TI) und die Schritte, die auf Physiotherapiepraxen in der nahen Zukunft zukommen werden. Fragen, wie „Was ist die TI eigentlich?“ und „Was haben Physiotherapeuten davon?“ verdeutlichten Pfadenhauer und Pichura anhand beispielhafter Abläufe in einer Praxis. So lernten die Teilnehmer zum Beispiel, dass sich für die Änderung einer Verordnung die Abstimmung mit dem behandelnden Arzt oder der Versand eines Therapieberichts über die Anwendung KIM („Kommunikation im Medizinwesen“) viel effizienter abwickeln lässt als mit den bisherigen Kommunikationswesen. Detailliert ging es auch um die konkreten Schritte, die Physiotherapiepraxen nun einleiten müssten, um sich an die TI anzubinden. Egal ob die Beantragung des elektronischen Heilberufeausweises (eHBA) und der SMC-B-Karte (Institutionsausweis der Praxis), die Suche nach dem passenden IT-Dienstleister oder die Beantragung der Kostenerstattung bei der GKV – es gibt viel zu tun. „Schieben Sie dies alles nicht auf die lange Bank“, empfahl Pfadenhauer. „Wer sich jetzt mit der TI beschäftigt, gerät nicht in Stress, wenn die Anbindungspflicht näher rückt. Um Sie bestmöglich zu unterstützen, bietet der IFK zahlreiche Informationen und Hilfestellungen an.“
In einer Fortbildung vor dem berufspolitischen Vortrag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich über aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Schlaganfall zu informieren. Katrin Rösner (Universität Lübeck/Hochschule Jena) referierte über die Folgen eines Schlaganfalls und insbesondere über die damit verbundenen Einschränkungen der Mobilität. Sie verdeutlichte, dass der Schlaganfall eine der häufigsten Ursachen für eine erworbene Behinderung im Erwachsenenalter darstellt und die damit einhergehende Einschränkung der Mobilität für viele Betroffene eine erhebliche Belastung im Alltag bedeutet. Im Mittelpunkt des Vortrags standen ein Überblick über evidenzbasierte Therapien sowie die Bedeutung von konsequenter Umsetzung geeigneter therapeutischer Maßnahmen.