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Tauziehen um den Direktzugang

Berufspolitische Einblicke für Physiotherapie-Studierende
Das Thema Direktzugang zum Physiotherapeuten ist auf der politischen Tagesordnung angekommen. Welche verschiedenen Interessen sich in der aktuellen Debatte gegenüberstehen, das simulierten 27 Physiotherapie-Studierende der Hochschule für Gesundheit (hsg) in Bochum im Rahmen eines Planspiels des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK).

Bereits zum dritten Mal bot der IFK Studierenden der benachbarten hsg die Möglichkeit, sich in die Situation einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags zu versetzen. In der Rolle von Vertretern der Physiotherapie, Ärzteschaft, Krankenkassen, Hochschulen, Wissenschaft, Patienten,  Berufsfachschulen sowie der Politik lautete das Ziel, einen gemeinsamen Konsens über die Frage nach einer Einführung des Direktzugangs zu erarbeiten.  Der ehemalige IFK-Geschäftsführer und heutige Oberbürgermeister von Herne, Dr. Frank Dudda, führte als Vorsitzender der Anhörung mit politischem Geschick und Humor durch die professionell inszenierte Veranstaltung.
Die Studierenden, die kurz vor dem Bachelor-Abschluss stehen, brachten mit starken Argumenten sowohl die Potenziale eines Direktzugangs als auch die Bedenken einzelner Interessengruppen auf den Punkt. Denise Wiczorek schlüpfte in die Rolle der Krankenkassen als Vertreterin des GKV-Spitzenverbands: „Es ist sehr interessant, sich in eine Position zu versetzen, die man selbst nicht vertritt, und so seine eigene Perspektive erweitern zu können.“ Sie argumentierte im Rahmen der Anhörung, dass die Krankenkassen den Direktzugang nur dann unterstützen könnten, wenn tatsächliche Kosteneinsparungen nachgewiesen seien.
IFK-Vorstandsmitglied und hsg-Dozent Rick de Vries war gemeinsam mit den hsg-Hochschullehrern Prof. Dr. Christian Grüneberg und Prof. Dr. Sven Dieterich sichtlich beeindruckt von den fundierten Diskussionsbeiträgen. Die studentischen Akteure aus physiotherapeutischen Verbänden, Hochschulen und Wissenschaft stellten heraus, dass der internationale Vergleich zeige, dass die Patientenzufriedenheit im Direktzugang steigt, weil schnellere Behandlungsergebnisse möglich und weniger Bilddiagnostik und Medikamente nötig sind. Die Patientenvertreter ergänzten, dass 40 Prozent der physiotherapeutischen Rezepte von Hausärzten verordnet würden, die ggf. nicht über das notwendige Fachwissen verfügen. Daher sei es besser, wenn Physiotherapeuten direkt selbst diagnostizierten. Entschiedene Gegenargumente brachten die studentischen Ärztevertreter vor, die Physiotherapeuten eine mangelnde fachliche Basis unterstellten und bei einem Direktzugang die Patientensicherheit nicht gewährleistet sahen.
„Die Möglichkeit, sich nicht nur fachlich, sondern auch berufspolitisch mit dem Thema Direktzugang auseinanderzusetzen, ist aus meiner Sicht sehr sinnvoll“, resümierte Hanno Krafft, der die Rolle des Gesundheitspolitikers vertrat. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Michael Moscheik und Mike Schneider aus dem Ausschuss für Gesundheit wurde er am Ende nicht nur zur besten Rednergruppe gewählt, sondern konnte im Anschluss an die Debatte auch einen konsensfähigen Vorschlag unterbreiten: zwei Modellvorhaben über einen Zeitraum von vier Jahren – eines zur Blankoverordnung, die der Arzt ohne Behandlungsanweisung ausstellt, und eines zum Direktzugang. Das könnte auch ein Vorbild für die reale Politik sein, waren sich die Studierenden einig.

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