22. IFK-Tag der Wissenschaft: Die Vielfalt macht’s!
Am 3. Juli lud der IFK nach Buxtehude. Entgegen so mancher lästernden Floskel über den Ruf der kleinen Stadt, war zumindest am Campus der hochschule 21 viel los, denn zum IFK-Tag der Wissenschaft hatten sich 160 Teilnehmer angemeldet. Die Anwesenden erwartete ein buntes Programm: Neben einem wissenschaftlichen Symposium standen die Begutachtung der Posterausstellung und die Verleihung des IFK-Wissenschaftspreises auf der Tagesordnung. Durch das Programm führten IFK-Geschäftsführer Dr. Björn Pfadenhauer und Johanna Pleus, wissenschaftliche Referentin beim IFK.
Doch zunächst ging es an die Begrüßung. In das Motto der Veranstaltung, „Physiotherapie divers. Bewegung schafft Transformation“, führte IFK-Vorstandsvorsitzende Ute Repschläger ein. „Das Thema Diversität wird hier aufgegriffen – ein Begriff, der das eine oder andere Mal kontrovers diskutiert wird“ und sie führte aus: „Die Physiotherapie muss divers sein und bleiben. Einseitigkeit verursacht krisenanfällige Ungleichgewichte und hierarchische Spannungen. Die Vielfalt hingegen macht’s.“ Auch der Präsident der hochschule21, Professor Ingo Hadrych, und die Vizepräsidentin und Studiengangsleitung für den Fachbereich Physiotherapie, Prof. Dr. Barbara Zimmermann, begrüßten die Anwesenden herzlich. „Ich freue mich, dass wir den Tag der Wissenschaft heute gemeinsam mit dem IFK ausrichten dürfen!“, richtete sich Hadrych an die Zuhörer.
Zimmermann startete gleich nach den Begrüßungsreden das Programm des wissenschaftlichen Symposiums mit ihrem Fachvortrag, in dem sie den Erfolg des digitalen Mobilitätsförderungsprogramms SELFIT vorstellte. „In Dänemark schließen die Seniorenheime dank dieses Wandels – wir müssen da hinkommen, dass das auch bei uns zu einer Bewegung wird!“, betonte sie. Dr. Nadia El-Seoud von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg führte in ihrem Vortrag in „Perspektiven lebensweltorientierter Physiotherapie“ ein und wies auf verschiedene Spannungsfelder, etwa zwischen Individuenzentrierung und Bevölkerungszentrierung, innerhalb des physiotherapeutischen Arbeitens hin. Kurz vor der Pause appellierte Dr Pfadenhauer in einem kleinen interaktiven Input an die Studierenden: „Ihr Beruf ist politisch – ob Sie sich damit beschäftigen oder nicht. Deswegen mein Appell: Gestalten Sie mit und engagieren Sie sich!“
So ging es in die Pause, in der in ausgelassener Stimmung nicht nur das Buffet begutachtet wurde, sondern auch die Posterausstellung. Durch QR-Codes hatten die Teilnehmer auch diesmal die Gelegenheit, über das beste wissenschaftliche Poster abzustimmen und somit den Posterpreisträger beim IFK-Tag der Wissenschaft zu küren.
Den Aufschlag für den zweiten Vortragsslot machten Prof. Dr. Susanne Klotz und Dr. Andrea Bökel, die über ihre Forschung und die Entwicklung des Online-Learning-Tools „DiversiOn“ berichteten. Sie stellten verschiedene Dimensionen der Diskriminierung vor, führten damit in den Begriff der Intersektionalität ein und erklärten, welchen Einfluss kulturelle Kompetenz auf physiotherapeutisches Arbeiten haben kann. Das Symposium schloss mit einem Online-Vortrag des Physiotherapeuten Manish Gohill aus Leeds, der zum Thema „Mind the (cultural competency) gap“ (etwa: Achten Sie auf die Lücke! (In der kulturellen Kompetenz)“ sprach und interessante Perspektiven auf die Rolle kultureller Barrieren in der physiotherapeutischen Behandlung aufzeigte.
Preisverleihung: Der IFK-Wissenschaftspreis
Dann wurde es nochmal spannend: Denn als nächstes stand die Verleihung des IFK-Wissenschaftspreises an. In vier Kategorien waren insgesamt acht Preise im Wert von bis zu 3.000 Euro zu vergeben. Die eingereichten Arbeiten waren Mitte April anonymisiert an die vom IFK zusammengestellte Expertenjury von acht Personen aus Wissenschaft und Forschung übergeben worden. Diese hatte die Arbeiten jeweils in Hinblick auf Inhalt, Methodik und Form bewertet und damit die Bachelor- und Masterpreisträger gekürt.
Bachelorarbeiten
In der Kategorie „Bachelorarbeit – Literatur- und Übersichtsarbeiten/Konzeptentwicklung“ wurden mit Unterstützung des Sponsors opta data zwei Arbeiten prämiert. Den ersten Platz, dotiert mit 2.000 Euro, machte Claudia Günzel mit ihrer Arbeit „The magnitude of the placebo effect and response of physiotherapeutic interventions in patients with spinal pain.” Rieke Bekels und Lina Egelkamps Arbeit „Physiotherapeutisch relevante Schwindelformen: Ein Scoping Review“ erlangte den zweiten Platz, dotiert mit einem Preisgeld von 1.500 Euro. Alle drei Preisträgerinnen dieser Kategorie kamen von der Hochschule Osnabrück.
Die Kategorie „Bachelorarbeit – Klinisch/Experimentell“ wurde durch die Helmsauer Gruppe mit Preisgeldern in gleicher Höhe gesponsert. Maike Wochner von der Hochschule Furtwangen gewann den ersten Platz für ihre Arbeit „RelaquaMED als innovativer Therapieansatz für Long COVID Evaluation der Auswirkungen auf Fatigue, Schlafqualität und die körperliche Belastbarkeit“. Der zweite Platz ging an die Absolventin der Europäischen Fernhochschule Rostock Sandy Vanessa Schlie, die in ihrer Arbeit zu „Sexuelle(r) Grenzüberschreitung von Patient*innen auf Physiotherapeutinnen in Deutschland“ forschte.
Masterarbeiten
Den Spitzenplatz machte Sabrina Friehe mit ihrer Masterarbeit „Feasibility and acceptability of a neuromuscular cross-training program for injury prevention in pre-professional music theatre dancers.“ Sie gewann das Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro, gesponsert von der Helmsauer Gruppe. Mit „Vergleich der Heilmittelauswahl nach ärztlicher Verordnung gegenüber der Auswahl bei der Blankoverordnung bei Schulterpatient*innen in der Physiotherapie und die Auswirkungen der Einführung der Blankoverordnung in der physiotherapeutischen Praxis“ ist die Arbeit überschrieben, die als zweitbeste Masterarbeit bewertet wurde. Fabian Strate ist der glückliche Preisträger des durch den Sponsor Noventi mit 2.000 Euro unterstützten Preises. Auch in dieser Kategorie stammen beide Preisträger von der in diesem Jahr besonders erfolgreichen Hochschule Osnabrück.
Posterpreise
Alle eingereichten Arbeiten, die nicht in diesen Kategorien prämiert wurden, qualifizieren sich automatisch für den IFK-Posterpreis. Zu gewinnen gab es zwei Büchergutscheine des Thieme Verlags im Wert von 300 Euro. Die Gewinner werden am IFK-Tag der Wissenschaft per Abstimmung durch die Besucher im Rahmen der Posterausstellung ermittelt. Die beiden Preise gingen in diesem Jahr an Katja Mattes von der Hochschule Furtwangen und an Elisa Tribulowski von der Hochschule Döpfer in Köln.
Der IFK gratuliert allen Preisträgern herzlich! Die Zusammenfassungen der ausgezeichneten Arbeiten lesen Sie in dieser und in den kommenden Ausgaben der physiotherapie in der Rubrik Wissenschaft. Alle Poster finden Sie auf unserer IFK-Webseite unter der Rubrik „Wissenschaft“.
Studieren macht Schule
Mit dem IFK-Tag der Wissenschaft unterstützt der IFK den wissenschaftlichen Nachwuchs und setzt ein Zeichen für den gelungenen Austausch zwischen Theorie und Praxis. So ging der 22. IFK-Tag der Wissenschaft an der hochschule21 mit vielfältigen Impressionen und stolzen Preisträgern zu Ende. Das 150 Jahre alte Gebäude der ursprünglich als Technikum eröffneten Hochschule leerte sich und es wurde wieder stiller in Buxtehude. Mag sein, dass man sich nun in Posemuckel und Hintertupfingen nach den Kriterien umhört, doch die nächste Gasthochschule steht bereits fest: Die SRH Heidelberg öffnet ihre Pforten für den IFK-Tag der Wissenschaft 2027.