GKV neu denken: zukunftsfähig planen

Die gesetzliche Krankenversicherung befindet sich in einer angespannten finanziellen Lage. Mit dem geplanten GKV- Beitragsstabilisierungsgesetz versucht die Bundesregierung, die stetig steigenden Kosten kurzfristig in den Griff zu bekommen. Doch die im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen wirken vor allem wie kurzfristige Krisenbewältigung. Einsparvorgaben und Verlagerung von Kosten schaffen akut Entlastung, ändern aber nichts an den grundlegenden Herausforderungen im Gesundheitssystem.

Dabei gibt es innerhalb der Gesundheitsbranche längst konkrete Ideen für eine nachhaltige Stabilisierung der GKV-Finanzen. Viele Experten haben konkrete Reformvorschläge vorgelegt, um Versorgung effizienter zu gestalten, Ressourcen gezielter einzusetzen und die Finanzierung langfristig zu sichern. Entscheidend ist jetzt, diese Ansätze entschlossen umzusetzen.

Beispiel: Nachhaltige Finanzierung statt kurzfristiger Sparpolitik

Die Stabilisierung der GKV-Finanzen darf nicht allein über kurzfristige Ausgabenbegrenzungen erfolgen. Maßnahmen wie die geplante Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung lösen die strukturellen Probleme des Gesundheitswesens nicht – im Gegenteil: Sie gefährden langfristig die Versorgungssicherheit und verschärfen den Fachkräftemangel.

Besonders deutlich zeigt sich das im Heilmittelbereich. In der Physiotherapie wurden in den vergangenen Jahren politische Maßnahmen ergriffen, um eine langjährige Unterfinanzierung zu korrigieren und den Beruf attraktiver zu machen. Auch wenn der Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung weiterhin massiv bleibt, haben höhere Vergütungen dazu beigetragen, dass die Zahl der Auszubildenden und Absolventen wieder steigt.

Eine Rückkehr zu strikten Ausgabenbegrenzungen bremst diese positive Entwicklung. Praxen geraten erneut wirtschaftlich unter Druck, die Gewinnung und Bindung von Fachkräften wird erschwert und die flächendeckende Versorgung der Patienten langfristig gefährdet. Bereits heute zählt die Physiotherapie zu den Berufen mit dem größten Fachkräfteengpass in Deutschland.

Statt pauschaler Sparmaßnahmen braucht es deshalb in Deutschland eine langfristig angelegte Strukturreform des Gesundheitswesens. Versorgung muss sich am tatsächlichen Bedarf der Menschen orientieren. Dazu gehören effizientere Strukturen, eine bessere Steuerung im System und eine stärkere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe.

Zugleich muss die Finanzierung gerechter gestaltet werden. Viele sogenannte versicherungsfremde Leistungen werden bislang nicht ausreichend aus Steuermitteln finanziert, wodurch die Beitragszahler zusätzlich belastet werden. Eine nachhaltige Stabilisierung der GKV kann nur gelingen, wenn gesundheitspolitische Reformen strukturelle Ursachen angehen, statt kurzfristig Leistungen und Versorgung unter Kostendruck zu setzen.

Doch die Politik setzt aktuell auf Einsparmaßnahmen, die negative Folgen für das gesamte Gesundheitssystem haben werden. Sinnvolle Lösungsvorschläge werden ignoriert, Gesundheit wird zum Sparmodell. 

Machen Sie gern auch Ihre Patienten auf diesen Missstand aufmerksam.

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