Vollständig hochschulische Ausbildung der Therapieberufe gefordert

Eine grundlegende Reform der Ausbildungsstruktur für die Ergotherapie, die Logopädie und die Physiotherapie fordert das „Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen“. Ziel müsse es sein, die bisherigen (berufs-)fachschulischen Ausbildungen bis zum Jahr 2030 vollständig in hochschulische Ausbildungen zu überführen, schreibt das Bündnis in einer nun veröffentlichten Stellungnahme. Dafür müsse der Gesetzgeber jetzt die Weichen stellen.

 

 

Das Bündnis bezieht sich in seiner Stellungnahme auf das Eckpunktepapier „Gesamtkonzept Gesundheitsfachberufe“ der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die unter der Leitung des Bundesgesundheitsministeriums steht und von der Gesundheitsministerkonferenz ins Leben gerufen wurde. Anlässlich des Koalitionsvertrags der Regierungsparteien sollte die Bund-Länder-Arbeitsgruppe prüfen, wie sich die Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie neu ordnen lässt, um sie für künftige Herausforderungen zu stärken. Im Eckpunktepapier schreibt die Arbeitsgruppe zwar, dass die Bundesregierung für die Gesundheitsberufe „attraktive Ausbildungsmöglichkeiten“ schaffen will. Dabei sieht sie zwar richtiger- und notwendigerweise für die Logopädie die Prüfung einer vollständig hochschulischen Ausbildung vor, nicht aber für die Ergotherapie und die Physiotherapie. Das ist für das „Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen“ nicht nachvollziehbar.

 

 

Für das Bündnis führt kein Weg daran vorbei, dass alle Angehörigen von Therapieberufen, also auch die der Ergotherapie und der Physiotherapie, künftig nur noch an Hochschulen ausgebildet werden. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil evidenzbasierte Diagnostik und Intervention eine wissenschaftliche Qualifikation aller Berufsangehörigen erfordern, damit sie den komplexen Versorgungsbedarfen gerecht werden. Neue Forschungserkenntnisse in die Therapie einfließen zu lassen sei wichtig für eine moderne und sichere Patientenversorgung. „Eine vollständige hochschulische Ausbildung steigert zudem die Attraktivität der Therapieberufe und wirkt damit dem Fachkräftemangel entschieden entgegen. Darüber hinaus leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung der Patientenversorgung“, verdeutlicht Bernhard Borgetto, Sprecher des Bündnisses. In allen anderen EU-Mitgliedsstaaten findet die Ausbildung der Therapieberufe bereits seit Jahren an Hochschulen statt. Deutschland bilde hier nicht nur europaweit, sondern auch weltweit das Schlusslicht bei der Akademisierung. Das müsse sich ändern – und zwar jetzt.

 

 

Diese und weitere Forderungen hat das Bündnis in seiner Stellungnahme formuliert.

 

 

Zum „Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen“ haben sich die größten Verbände dieser Berufsfelder zusammengeschlossen:

 

 

  • Deutscher Bundesverband für Logopädie e. V. (dbl)
  • Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V. (DVE)
  • Fachbereichstag Therapiewissenschaften (FBTT)
  • Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe e.V. (HVG)
  • Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten e. V. (IFK)
  • Deutscher Verband für Physiotherapie e. V. (PHYSIO-DEUTSCHLAND)
  • Verbund für Ausbildung und Studium in den Therapieberufen (VAST)
  • Verband Physikalische Therapie e. V. (VPT)

 

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