Modellvorhaben / Direct Access

Gemeinsam mit der gesetzlichen Krankenkasse BIG direkt gesund hat der IFK in 2011 ein erstes Modellvorhaben nach § 63 Abs. 3b SGB V in Deutschland gestartet. Es orientiert sich an internationalen wissenschaftlichen Studien zur Evaluation des Direct Access. Bereits im Juli 2008 reagierte der Gesetzgeber in Deutschland auf die Forderung nach verstärkter Autonomie von Physiotherapeuten im Hinblick auf die Therapiedurchführung und eröffnete im Pflege-Weiterentwicklungsgesetz gemäß § 63 Abs. 3b SGB V die Option, mit den gesetzlichen Krankenkassen sogenannte „Modellvorhaben“ zu vereinbaren.

Diese sehen vor, dass Physiotherapeuten die Auswahl der physiotherapeutischen Maßnahme, die Dauer der Behandlungsserie sowie die Frequenz der Behandlungseinheiten bestimmen dürfen. Verbände und Krankenkassen sind aufgefordert, neue Versorgungsformen zu erproben, die zeigen, ob Versorgungsqualität und Kostenentwicklung im Gesundheitswesen positiv von diesen beeinflusst werden können.

Die bisherige Versorgung der Patienten in Deutschland sieht eine Ausstellung eines Rezepts durch den Arzt u. a. mit der Diagnose des Patienten sowie der Art des Heilmittels (z. B. Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Massage usw.), der Frequenz und der Dauer der physiotherapeutischen Behandlungsserie vor. Wichtige Parameter der Physiotherapie werden folglich bisher durch den Arzt festgesetzt. Diesem Vorgehen wird ein Modell gegenübergestellt, das dem Physiotherapeuten den Freiraum lässt, Frequenz und Dauer der Behandlung selbst festzulegen sowie die Art des Heilmittels selbst auszuwählen. Dies erfolgt unter den Hypothesen, dass dieses neue Versorgungsmodell zu höherer Effektivität und Effizienz der Patientenbehandlung, Kostenersparnis und Verkürzung der Arbeitsunfähigkeitszeiten sowie steigender Patientenzufriedenheit führt. 

Das Konzept sieht zur Evaluation die Durchführung einer multizentrischen, randomisierten Interventionsstudie mit Kontrollgruppe für Patienten mit muskuloskelletalen Erkrankungen vor. Das Forschungsdesign wurde vom Bundesversicherungsamt (BVA) positiv bewertet. Die Evaluation wird von einem unabhängigen wissenschaftlichen Institut - der Zürcher Hochschule Winterthur - begleitet. Das Modellvorhaben wird zeigen, ob neue Versorgungsformen im Sinne der Modellvorhaben zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität und zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen in Deutschland führen können. Das Verzeichnen positiver Ergebnisse wird höchstwahrscheinlich die Entwicklung weiterer Modellvorhaben bis hin zu einer tatsächlichen Veränderung der Versorgungsstrukturen nach sich ziehen. Erste Zwischenergebnisse können Sie hier nachlesen.

IFK-Positionspapier Direct Access

Der IFK begrüßt die Modellvorhaben, wird aber weiterhin ausdrücklich den Direct Access für qualifizierte Physiotherapeuten fordern. Das entsprechende Positionspapier lesen Sie hier.