Schulterschmerz nach dem Sport

Physiotherapie hilft
 Ein schmerzhafter Aufschrei nach dem Auskugeln der Schulter (Luxation) beim Torwurf im Handball oder der Griff zur Schulter nach einem Fahrradsturz: Keine seltenen Bilder bei Sportverletzungen. Ein Bericht der Zeitschrift deutsche Sportmedizin sah im Jahr 2004 Schulterverletzungen gehäuft bei Skifahrern, Fußball- und Handballspielern oder Mountainbikern. Der Grund: Eine große Zahl an Hobbysportlern setzt sich weitgehend untrainiert einem großen Verletzungsrisiko aus. Über eine Zunahme von Schulterverletzungen beim Skifahren wurde auf dem 8. Internationalen Kongress für Wintersportmedizin im Februar 2006 in Garmisch-Partenkirchen berichtet. Hier wurde die Ursache vor allem in der hohen Geschwindigkeit beim Carving gesehen. Die beste Vorbeugung vor Verletzungen der Schulter ist ein gutes Muskeltraining und richtiges Aufwärmen vor dem Sport. Physiotherapeuten unterstützen Sportler bei der Prävention und helfen mit der richtigen Therapie nach einer Verletzung. Die Schulter ist beim Sport sehr starken Belastungen ausgesetzt. Ein weiterer Grund der Anfälligkeit ist ihre besondere Anatomie: Die Führung der Schulter erfolgt nicht, wie beim Knie- oder Hüftgelenk durch straffe Bänder und Knochen, sondern vor allem durch die Muskulatur. Bei wiederholter, sportartspezifischer Überkopfbelastung können Überlastungsschäden entstehen. Typisch für eine solche Überlastung sind verschiedene Wurfsportarten, sämtliche Racketsportarten wie Tennis, Badminton oder Squash, aber auch Kraftsportarten wie Bodybuilding und Gewichtheben, aber auch Gymnastik und der Schwimmsport. Ein noch nicht so bekanntes Krankheitsbild stellt die "Sportlerschulter" dar. Sie wurde erst in den letzten 10-15 Jahren näher definiert. Die Beschwerden äußern sich in einem plötzlichen Schmerz bei einer Ausholbewegung, z. B. des Werfens, oft einhergehend mit einem deutlichen Kraftverlust. Bei Überkopfbewegungen muss die Schulter einerseits die Bewegung zulassen aber gleichzeitig für die nötige Stabilität sorgen. Bei vermehrten Überkopfbelastungen ohne die nötige Stabilität kann es zu so genannten Mikrotraumen, also kleineren Verletzungen der Weichteile kommen und häufig zu einer Verletzung des Labrums (eine am Pfannenrand ansetzende faserknorpelige Gelenklippe). Je nach Diagnose muss eine Operation oder eine konservative Therapie durchgeführt werden. In beiden Fällen stellt die Physiotherapie einen wichtigen Therapiebestandteil dar, denn fehlende Beweglichkeit muss wieder hergestellt, Schmerzen reduziert und vor allem die Stabilität während der Bewegungsausführung wieder erreicht werden. Bei der Befundung erhebt der Physiotherapeut zunächst den Ist-Zustand. Wie ist die Beweglichkeit, wann treten Schmerzen auf, wie stark ist der Muskelrückgang und welche kompensatorischen Bewegungen benützt der Patient? Danach wird gemeinsam mit dem Patienten ein Therapiekonzept erarbeitet, so dass der Patient aktiv in die Therapie mit eingebunden wird. Bei der Sportverletzung an der Schulter geht schmerzbedingt vor allem das physiologische (normale) Bewegungsmuster verloren. Dies zeigt sich durch den vermehrten Einsatz der Nackenmuskulatur, was nicht selten zu starken Nacken- und Kopfschmerzen führt. Aber warum zieht man denn eigentlich die Schulter nach oben und verspannt sich? Hervorgerufen wird dies in erster Linie durch die Komplexität des Schultergürtels. Denn es muss sowohl die Bewegung zwischen Oberarm und Schulterblatt koordiniert werden als auch die des Schulterblatts auf den Rippen. Wenn nun ein Gelenk eingeschränkt ist, bewegt das andere automatisch mehr. Eine Bewegungserweiterung kann durch verschiedene Techniken der Manuellen Therapie wieder erreicht werden. Dabei kann der physiologische Roll-Gleit-Mechanismus des Oberarmkopfs in der Pfanne angebahnt und verbessert werden. Unterstützend werden aktive Übungen durchgeführt, um die in der Manuellen Therapie erzielte Bewegung zu erhalten. Wenn die Schmerzen nachlassen und die Beweglichkeit sich verbessert, ergänzt der Therapeut die Behandlung mit einem Training an Kraftgeräten (gerätegestützte Krankengymnastik, KG Gerät), um so die Muskulatur wieder systematisch aufzubauen. Trainiert werden einfache Übungen am Gerät bis hin zu komplexen, freien sportartspezifischen Übungen z. B. am Zugapparat. Wenn das Training konsequent durchgeführt wird und die Bewegungen, die man im Sport ausführen muss, wieder "im Trockenen" ohne Schmerzen und mit der erforderlichen Kraft durchführbar sind, dann kann`s wieder losgehen: Zum Mountainbiken, Skifahren oder zum Ballsport, auf jeden Fall mit Spaß an der Bewegung und hoffentlich ohne weitere Verletzung.