Schlaganfall: Physiotherapie hilft

Schnelle Versorgung der Patienten ist wichtig
 Bei der Behandlung von Schlaganfällen ist die möglichst schnelle ärztliche Versorgung von besonderer Bedeutung. Eine schnelle Diagnostik und die entsprechende Therapie zielen darauf ab, drohende Schädigungen des Gehirns abzuwenden bzw. zu verringern und die Folgen des Schlaganfalls möglichst weitgehend zu beheben. Dennoch können auch bei adäquater medizinischer Versorgung u.a. Sensibilitätsstörungen, Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit oder auch ein Verlust der Orientierungs- und Konzentrationsfähigkeit als Folge des Schlaganfalls bestehen bleiben. Ziel der Physiotherapie ist in solchen Fällen die Verbesserung der Partizipation im Alltag und im Beruf: Der Schlaganfallpatient soll mit möglichst wenig Beeinträchtigungen wieder in sein bisheriges Leben und soziales Umfeld zurückkehren können. In der physiotherapeutischen Befundung wird die Oberflächensensibilität des Patienten getestet, die Tiefensensibilität - also die Fähigkeit, Rumpfbewegungen und Bewegungen der Gelenke richtig zu erkennen - sowie der Muskeltonus. Desweiteren werden die Bewegungen der Schlaganfallpatienten von Physiotherapeuten analysiert, wobei diese immer auch im funktionellen Kontext beobachtet und bewertet werden müssen: Deshalb führen Physiotherapeuten im Verlauf der Therapie immer wieder funktionelle Untersuchungen durch: Sie beobachten - entsprechend dem Zustand des Schlaganfallpatienten - z.B. das Gleichgewicht im Sitzen, Stehen sowie Aufstehen und Hinsetzen. In der Krankengymnastik lernen die Betroffenen dann, sich richtig zu halten und möglichst effektiv zu bewegen. Insbesondere Therapien nach Bobath, Vojta oder PNF ermöglichen ein gezieltes Eingehen auf den individuellen Zustand nach dem Schlaganfall. "Physiotherapeuten streben die Normalisierung der Sensibilität und des Haltungstonus an, damit etwa der betroffene Fuß die Unterstützungsfläche wahrnehmen und das Bein Standfähigkeit und Gewichtsübernahme gewährleisten kann", erklärte Ute Repschläger, die Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten - IFK. Außerdem ist Ziel der Physiotherapie, das Gleichgewicht im Sitz zu verbessern, um in der Folge die Funktion der oberen Extremitäten wieder nutzen zu können. Auch die Anbahnung und Verbesserung des Bewegungsablaufs beim Wechsel vom Sitz in den Stand und die Erarbeitung des Gleichgewichts im Stand durch die Einstellung auf die Mittellinie des Körpers sind wichtige Ziele, um eine Gewichtsverlagerung auf die betroffene Seite zu ermöglichen und damit ein wichtiges langfristiges Behandlungsziel zu erreichen: Das freie Gehen möglichst ohne Hilfsmittel zunächst in der Wohnung und später auch außerhalb der Wohnung. Die Physiotherapie unterstützt wesentlich die Neurorehabilitation und kann so helfen, verlorene Körperfunktionen zum Teil wieder zurückzubringen. Zwar können sich zerstörte Nervenzellen nicht regenerieren. Das menschliche Gehirn ist aber in der Lage, sich nach einem Schlaganfall teilweise neu zu organisieren. Dadurch können manche Hirnfunktionen wieder angebahnt werden. Physiotherapie unterstützt diese Umorganisation im Gehirn und aktiviert die von den betreffenden Hirnarealen abhängige Muskulatur. Diesen Umorganisationsprozess fördern Physiotherapeuten, indem sie mit dem Patienten wiederholende, aber auch variierende Bewegungsabläufe gezielt einüben. Dies ermöglicht es den Schlaganfallpatienten, auf noch vorhandene Funktionen zurückzugreifen und physiologische Bewegungsmuster wieder zu aktivieren. Physiotherapeuten unterstützen den Patienten von Anfang an dabei, wieder größtmögliche Selbständigkeit in seinem Lebensumfeld zu erlangen, indem sie individuell für jeden Patienten einen Therapieplan ausarbeiten, der - unterstützt durch die Dokumentation des Therapieverlaufs - immer wieder neu angepasst wird. Durch eine regelmäßige Befunderhebung kann der Physiotherapeut, den Zustand des Patienten genau erfassen und die in der Therapie erzielten Erfolge sichtbar machen und belegen.