„Landesberichterstattung Gesundheitsberufe NRW“ veröffentlicht

Als „deutliche Bremse“ im Kampf gegen den Fachkräftemangel bezeichnet die Landesregierung NRW das Schulgeld, das Physiotherapeuten in einigen Bundesländern noch für die Ausbildung bezahlen müssen. In der „Landesberichterstattung Gesundheitsberufe NRW“ analysiert das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales die Situation der Ausbildung und Beschäftigung in Gesundheitsberufen. Die Ergebnisse wurden nun in einer zentralen Veranstaltung des Ministeriums in Düsseldorf vorgestellt.

Auswahl aus 3,3 offene Stellen
Die Einführung der Schulgeldfreiheit am 1. September 2018 in NRW führe laut Bericht dazu, dass der Beruf deutlich attraktiver für interessierte junge Menschen sei. Das sei mit Blick auf den bestehenden Fachkräftemangel auch nötig: Die Arbeitslosenquote unter Physiotherapeuten liegt in NRW bei gerade einmal 1,2 Prozent. Statistisch kann jeder arbeitslose Physiotherapeut aus 3,3 offenen Stellen wählen. Gleichzeitig sei die Anzahl der Auszubildenden rückläufig.
Termine: lange Wartezeiten
Für Praxisinhaber bedeutet das, dass laut einer Befragung im Zuge der Berichterstellung durchschnittlich acht Monate vergehen, bis sie eine freie Arbeitsstelle besetzen können. 63 Prozent der Physiotherapiepraxen gaben an, dass sie Patienten aufgrund des Fachkräftemangels und der hohen Praxisauslastung nicht binnen vier Wochen einen Termin anbieten können.
Praxisinhaber leisten regelmäßig Überstunden
Um die hohe Arbeitsbelastung abzufangen, sind Überstunden an der Tagesordnung. Im Durchschnitt arbeiten Praxisinhaber wöchentlich 46 Stunden, jeder Vierte sogar 55 und mehr Stunden. Auf drei Stunden therapeutische Arbeit kommt dabei eine knappe Stunde Verwaltungsarbeit. Angestellte Physiotherapeuten arbeiten im Schnitt 31 Wochenstunden.
Kaum Interesse an Praxisgründung
Mehr als 90 Prozent der Praxisinhaber beschäftigten angestellte Physiotherapeuten. Rund 70 Prozent der Physiotherapiepraxen beschäftigen mindestens drei Angestellte. Pro Tag werden durchschnittlich 52 Patienten behandelt, davon knapp 16 Prozent zuhause. Von den Befragten war nicht einmal jeder zwanzigste daran interessiert, in den beiden Folgejahren eine eigene Praxis zu eröffnen.
Bundesweite Schulgeldfreiheit statt Flickenteppich
„Die Zahlen sind alarmierend und zeigen deutlich, dass hier politische Maßnahmen ergriffen werden müssen“, bewertet Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK), die Ergebnisse des Berichts. Es sei sehr zu begrüßen, dass unter anderem NRW das Schulgeld bereits abgeschafft habe. Andere Bundesländer müssten aber nun dringend nachziehen. „Um den Beruf für Berufseinsteiger wieder attraktiver werden zu lassen, brauchen wir eine bundesweite Schulgeldfreiheit anstelle der aktuellen Flickenteppichlösung“, fordert Repschläger.

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