Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeichnet düsteres Bild – Politik ist gefordert

In einem kürzlich erschienenen Fachartikel zeichnete Dr. Johann Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ein düsteres Bild für den Arbeitsmarkt in Deutschland, das die demografische Entwicklung hervorruft. Diese werde in den nächsten Jahrzehnten für einen Arbeitskräfterückgang und damit einen sich verschärfenden Fachkräftemangel sorgen.

Zwei zentrale Faktoren beschleunigen den demografischen Wandel: Zum einen eine nicht ausreichende Geburtenrate, zum anderen die steigende Lebenserwartung in der Bevölkerung. Die Geburtenrate liegt bei durchschnittlich knapp 1,5 Kindern pro Frau, erforderlich wären 2,1 Kinder, um zu gewährleisten, dass die Bevölkerung langfristig nicht ausstirbt. Durch die steigende Lebenserwartung nimmt die Anzahl der Älteren stetig zu, so dass Fuchs zu dem Schluss kommt, dass die Bevölkerung langfristig älter wird und dazu zahlenmäßig schrumpft. Daraus ergibt sich, dass bis 2060 so viele Arbeitskräfte aus dem Berufsleben ausscheiden, dass sich das Arbeitskräftepotenzial um 30 Prozent verringert.

Mögliche Anpassungsreaktionen aus der Wirtschaft, wie Verlagerung von Betrieben ins Ausland oder die Ausweitung von „Mini-Jobs“, stellen keine zukunftsorientierte Lösung dar, erst recht nicht für die Physiotherapie. Hier ist die Politik gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen dem sich jetzt schon verschärfenden Fachkräftemangel in der Physiotherapie entgegengetreten werden kann. In erster Linie muss eine dauerhaft bessere, angemessene Vergütung in der Physiotherapie sichergestellt werden, um auch zukünftig den Beruf so attraktiv zu machen, dass er ein auskömmliches Einkommen garantiert. Der Rückgang an dringend benötigtem Nachwuchs kann nur gestoppt werden, wenn der Beruf für junge Menschen auch ein angemessenes Lebensniveau ermöglicht.

Ebenso fordert der IFK, dass sich die Politik deutlicher mit innovativen Versorgungsformen befasst und den Direktzugang in der Physiotherapie einführt. Nur durch diesen lässt sich eine bessere Versorgung in der Fläche erreichen.

Da in Zukunft immer weniger Fachkräfte immer mehr Patienten versorgen müssen, ist zudem eine verbesserte interdisziplinäre Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe und der Einsatz neuer digitaler Strukturen vonnöten. So müssen interprofessionelle Lernkonzepte in einem zukunftsorientierten Gesundheitssystem eine Selbstverständlichkeit sein. Auch die dafür nötigen Kommunikationsleistungen zwischen den beteiligten Berufsgruppen, wie Physiotherapeuten und Ärzten, müssen als Behandlungsbestandteil von der Gesetzlichen sowie der Privaten Krankenversicherung finanziert werden.

Es genügt nicht, resignierend die Hände in den Schoss zu legen. Weiterhin müssen die Weichen zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung gestellt werden. Dazu ist es nötig, die bisherigen Systemstrukturen zu hinterfragen und in eine zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung zu überführen. Einiges ist bereits auf dem Weg. Trotz der momentan unsicheren politischen Situation nutzten wir weiterhin jede Gelegenheit, um unsere Forderungen zu platzieren und dem Fachkräftemangel entsprechend entgegenzutreten. Wir müssen auch in Zukunft die flächendeckende Versorgung im Sinne der Patienten gewährleisten.

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